Donnerstag, 26. Februar 2009

Kinderarmut und Hartz4-Bezug (Alg2) oder Sozialhilfe und die Statistik

Immer wieder muss man in den Medien die Berichterstattung über Kinderarmut in Deutschland über sich ergehen lassen. So viele Kinder im Hartz4-Bezug, Notlage aufgrund Alg2, schlimm sehe es aus in Deutschland.

Doch dieses Jahr ist Bundestagswahl, nicht zu erwähnen die Europawahl. Also das große Superwahljahr, Anlass genug um für Sonnenschein am politischen Himmel zu sorgen und dem Volk ein Geschenk zu reichen.

Die frohe Botschaft:
Bald weniger Kinder auf Hartz4 angewiesen
Immer weniger Kinderarmut dank rückläufiger Zahlen im Bereich Alg2
Kinder endlich unabhängig von Sozialhilfe


Doch da es sich fast ausschließlich um politische Aussagen handelt und der Wahlkampf unmittelbar bevorsteht, wird es Zeit, dies mal ein wenig genauer zu beleuchten. Was hat sich denn nun tatsächlich geändert:

Kindergelderhöhung

Das Kindergeld wurde zum 01.01.2009 erhöht. Somit wird das Einkommen des Kindes im Hartz4-Bezug erhöht. Realistisch betrachtet bedeutet dies jedoch nur, dass eine Umschichtung vom Budget der Alg2-Träger auf die Familienkassen erfolgt. Getreu dem Motto, selbes Geld, anderer Topf...

Kindergeldzuschlag (KIZ)

Der Kindergeldzuschlag ist vorwiegend für den Personenkreis gedacht, in welchem die Kinder die ausschlaggebende Komponente für den Alg2-Bezug sind. Sprich die Eltern (bzw. der Elternteil) arbeiten, aufgrund der Kinder ist man dennoch auf Transferleistungen angewiesen. In diesem Fall kann der Kindergeldzuschlag tatsächlich dazu führen, dass die ganze Familie aus dem Hartz4-Bezug fällt. Dies ist also eine positive Entwicklung, da durch die Gewährung oftmals tatsächlich eine finanzielle Verbesserung für die Familie eintritt.

Wohngelderhöhung

Die zum 01.01.2009 eingeführte Wohngeldreform führt dazu, dass Kinder mit Einkommen (zumeist Kindergeld und Unterhalt/Unterhaltsvorschuss) einen Wohngeldanspruch haben und somit aus der Leistungsgewährung ausscheiden. Tatsächlich ändert sich jedoch auch in diesem Fall für das tatsächliche Familieneinkommen nichts, da alle über die Bedarfe der Kinder hinausgehenden Einkünfte bis zur Höhe des hälftigen Kindergeldes bei den Eltern als Einkommen angerechnet und dadurch für die Eltern selbst ein geringerer Alg2-Anspruch besteht. Somit ist in den meisten Fällen auch hier ein reines „Töpflein-wechsel-dich“ am Werk, ohne dass eine tatsächliche Veränderung eintritt.

In der Gesamtbetrachtung wird es um die Kinderarmut wohl kaum Verbesserungen geben, auch wenn die Statistik am Ende gegenteiliges behauptet.